GHANA: Bischof stellt sich gegen Kriminalisierung von LGBTI+
Homosexualität werde von der traditionellen Kultur in Ghana zwar nicht akzeptiert, erklärte Erzbischof Cyril Kobina Ben-Smith gegenüber der BBC, um aber gleichzeitig auch zu unterstreichen, dass queere Menschen nichts Neues seien und schon lange in diesem Land leben. Man lebe mit ihnen zusammen und sie seien nie ein Problem gewesen. Damit nimmt der Geistliche auch darauf Bezug, dass diese Vielfalt in der Gesellschaft vor der Kolonisation durchaus auch in Westafrika gelebt wurde. So gab es sogar anerkannte „gleichgeschlechtliche Ehen“ bei gewissen Stämmen. Durch die britische Kolonisation wurden aber auch die Anti-LGBTI+ Gesetze ins Land gebracht.
Wie der Erzbischof weiter erklärt, werden queere Menschen auch von der Anglikanischen Kirche akzeptiert, denn sie seien alle Kinder Gottes. Mit diesen Worten bekräftigt Ben-Smith, dass die Kirche die Kriminalisierung von queeren Menschen nicht unterstütze. Obwohl die Kriminalisierung gesetzlich verankert sei, befürworte dies die Anglikanische Kirche nicht. Die Kirche ging sogar so weit, dass sie eine Überprüfung des aktuellen Gesetzes forderte.
Während sich die Kirche zuletzt eher zurückgehalten hat in Bezug auf queere Anliegen in Westafrika, so fand Erzbischof Ben-Smith diesmal erfreulich klare Worte. Noch 2022 erklärte die Anglikanische Kirche in Ghana nämlich, dass man einen Gesetzesentwurf zur Kriminalisierung von Homosexualität unterstütze. Einzige Kritik damals: Die darin definierten Strafen seien zu schwerwiegend und müssten nochmals überprüft werden.
Die nun deutlich erfolgte Ablehnung des Gesetzes durch den Erzbischof ist daher ein klares Zeichen hin zu einer LGBTI+ freundlicheren Haltung, ob es etwas bewirken wird, muss sich allerdings weisen. Die Worte von Ben-Smith haben zwar Gewicht in der Region, aber es ist fraglich, on dies gegen die extrem feindliche und hasserfüllte Haltung gegenüber queeren Menschen reicht.
Cyril Kobina Ben-Smith ist nicht nur Erzbischof und Primas der Kirchenprovinz Westafrika, sondern auch Bischof von Asante Mampong in Ghana. Er steht damit als kirchlicher Leiter der Region Westafrika insgesamt 19 anglikanischen Diözesen vor, welche sich neben Ghana auch noch über Gambia, Guinea, die Kap Verden, Kamerun, Liberia, Senegal und Sierra Leone erstrecken.
Das Parlament in Ghana hat ein neues „Familiengesetz“ verabschiedet, welches noch von Präsident John Mahama unterzeichnet werden muss um in Kraft zu treten. Demnach wären neu nicht mehr „nur“ gleichgeschlechtliche Handlungen strafbar, sondern bereits das blosse Identifizieren mit der LGBTI+ Community könnte hohe Strafen mit sich bringen.