INDONESIEN: Zwei junge Männer mit je 76 Stockschlägen bestraft

INDONESIEN: Zwei junge Männer mit je 76 Stockschlägen bestraft
Es sei ein Akt staatlich unterstützter Diskriminierung und Grausamkeit, verurteilte Amnesty International die Tat, nachdem bekannt wurde, dass am 26. August in Indonesien zwei Männer aufgrund einer einvernehmlichen, gleichgeschlechtlichen Beziehung mit Stockschlägen bestraft wurden. Die beiden jungen Männer im Alter von 20 und 21 Jahren wurden bereits im Juni verhaftet.

In einem Grossteil von Indonesien sind gleichgeschlechtliche Aktivitäten nicht explizit strafbar, anders in den Provinzen Südsumatra und Aceh auf der Insel Sumatra. Dort drohen auf diese Handlungen, auch wenn sie einvernehmlich und sogar in den eigenen vier Wänden passieren, aufgrund der Scharia, harsche Strafen. Diese können von Geldstrafen bis hin zu Körperstrafen reichen.

Bereits Mitte Juni wurden in einem Park in der Provinzhauptstadt Banda Aceh zwei junge Männer im Alter von 20 und 21 Jahren verhaftet, weil sie sich in einer öffentlichen Toilette trafen und geküsst haben sollen. Je nach Bericht soll es auch zu weiteren Handlungen gekommen sein.

Während dem Prozess vor einem Gremium des Scharia-Gerichts, hinter verschlossenen Türen, wurden die beiden jungen Männer nun für schuldig befunden und zu je 76 Stockschlägen verurteilt. Das Urteil wurde nach dem Ende der Verhandlung öffentlich bekanntgegeben, wohl auch zur Abschreckung. Am 26. August wurde die Strafe schliesslich vollzogen.

Amnesty International kritisiert die Verurteilung scharf und spricht von staatlich sanktionierter Diskriminierung und Grausamkeit. So sei diese Strafe auch eine erschreckende Erinnerung daran, welche Stigmatisierungen und welchem Missbrauch queere Menschen in Aceh ausgesetzt seien, heisst es vom Regionalbüro der Organisation weiter. Intime Beziehungen, welche einvernehmlich sind und unter Erwachsenen stattfinden, dürfen niemals kriminalisiert werden. 

Die Organisation fordert die Regierung in Indonesien zudem dazu auf, dem internationalen Recht zu folgen und auf Stockschläge zu verzichten, denn diese gelten als Folter. Zudem sollen diskriminierende Gesetze aufgehoben werden, welche Menschenrechtsverletzungen zu lassen. Es gebe keine Rechtfertigung dafür, dass die Regionalregierung in Aceh die Menschenrechte untergrabe. Indonesien, und dies gelte automatisch auch für Aceh, sein Mitglied im UN-Menschenrechtsrat und habe zudem die Antifolterkonvention unterzeichnet.

Doch nicht nur in Aceh wird rigoros gegen queere Menschen vorgegangen, sondern auch in anderen Teilen des Landes kommt es immer wieder zu Massenverhaftungen. Dabei werden oft die sogenannten Anti-Pornografiegesetze angewandt, um die Verhafteten zu bstrafen.