KENIA: Ein ermutigendes Urteil für queere Menschen

KENIA: Ein ermutigendes Urteil für queere Menschen
Kenia kriminalisiert gleichgeschlechtliche Handlungen noch immer, doch wie in vielen Staaten mit LGBTI+ feindlichen Gesetzen bedeutet dies auch, dass queere Menschen am Rand der Gesellschaft stehen und ihre Grundrechte nur eingeschränkt gewahrt werden. Doch nun wurde ein ermutigendes und wegweisendes Urteil gefällt, denn zwei Männer wurden zu Haftstrafen verurteilt, weil sie zwei Schwule angegriffen und ausgeraubt haben.

Sie gingen äusserst brutal vor, hielten ihre Opfer, zwei schwule Männer im Alter von Mitte 20, während Stunden fest und misshandelten sie. Kennengelernt haben sie sich via Facebook. Als sie sich in der Wohnung der Opfer trafen, kamen drei weitere Männer dazu. Sie klauten ihre Kleidung, die Portemonnaies und ihre Handys und begannen zudem auf ihre Opfer einzuschlagen.

Doch dem nicht genug: Sie zwangen die beiden Opfer auch noch, dass sie bei ihren Familien und Freunden anrufen um sie dazu zu bringen, dass sie möglichst viel Geld auf ein Konto der Angreifer überweisen. Sollten sie sich weigern, dann würden sie bei den Familien und Freunden geoutet und umgebracht werden, drohten die Angreifer. So kamen insgesamt rund Kenianische Schilling auf dem Konto zusammen, rund Schweizer Franken.

Eines der Opfer erklärte vor Gericht in Nairobi, dass er sich wehren wollte, doch dann hätten sie ein Messer gezückt. Er habe gedroht, ihn abzustechen und aus dem Fenster zu werfen, sollte er nicht kooperieren. Die Täter schienen sich offenbar auch sicher zu sein, dass es die Opfer nicht wagen werden, die Tat zur Anzeige zu bringen. Diese Brutalität war es nun aber auch, welche schlussendlich zu hohen Gefängnisstrafen führten. Zwei der Täter wurden nämlich wegen schweren Raubes zu je 15 Jahren Haft verurteilt.

Die Organisation Ishtar, welche queere Menschen in Kenia unterstützt, begleiteten die beiden Opfer bei den Besuchen bei der Polizei und halfen ihnen auch vor Gericht. Sie erklärten, dass dieses Urteil wegweisend sei, denn normalerweise würden gerade schwule Männer oftmals durch die Polizei diskriminiert und gar belästigt. Sie würden als „nicht normale“ Bürger abgewiesen, und ihre Anzeigen würden oft nicht mal aufgenommen.

Auf gleichgeschlechtliche Aktivitäten stehen in Kenia noch immer bis zu 21 Jahre Haft, aber auch Zwangsarbeit und Geldstrafen können ausgesprochen werden, selbst wenn die Handlungen einvernehmlich unter Erwachsenen in den eigenen vier Wänden stattfanden. Aus diesem Grund sind LGBTI+ Feindlichkeiten im Land weitverbreitet, auch bei den Behörden und den Institutionen. 

Der nun vorliegende Fall könnte Signalwirkung haben, da solche Verbrechen gegen queere Menschen verbreitet sind, oftmals gar bandenmässig organisiert, aber aus Angst kaum zur Anzeige kommen. Wie die Organisation Ishtar erklärt, könnte dieses Urteil nun auch andere Bandenmitglieder davor abschrecken, weiter solche Taten zu verüben. Auch die beiden Opfer haben sich zudem an die Öffentlichkeit gewandt um andere LGBTI+ dazu aufzufordern, ihrem Beispiel zu folgen und solche Taten zur Anzeige zu bringen.

Noch in diesem Jahr wird aber erwartet, dass ein Berufungsgericht die Kriminalisierung von Homosexualität neu beurteilt.