RUSSLAND: Eine der grössten queeren Organisationen Russlands gibt auf

RUSSLAND: Eine der grössten queeren Organisationen Russlands gibt auf
Gerade jetzt wäre ihr Engagement wichtiger denn je, doch nun hat das LGBT Network Russia bekanntgegeben, dass sie ihre Arbeit per sofort einstellen werden: Damit verliert die Community eine ihrer letzten Fürsprecher in Russland und das Regime um Putin kommt seinem Ziel näher, die LGBTI+ Community vollständig aus der Gesellschaft zu verdrängen.

Die russische Regierung lässt nichts unversucht um die LGBTI+ Community komplett aus der Gesellschaft zu verbannen: Razzien in bekannten Treffpunkten, absolute Zensur der Medien und der Literatur sowie ein Verbot von jeglicher queerer Sichtbarkeit im Alltag. Seit 2023 die internationale LGBT-Bewegung zudem als extremistisch eingestuft wurde, wird dieses Gesetz dazu missbraucht um gegen alles vorzugehen, was mit der Community in Verbindung steht - so auch gegen LGBTI+ Organisationen.

Es war im April dieses Jahres als auch das LGBT Network Russia in St. Petersburg per Gerichtsentscheid als extremistisch eingestuft wurde. Nun, ein paar wenige Monate später, teilt die Organisation via Telegram mit, dass sie ihre Arbeit einstellen werden. Das Risiko für Mitarbeitende, Unterstützende und auch für Hilfesuchende sei einfach zu gross. Allen, denen auch nur eine lose Verbindung zum LGBT Network nachgewiesen werden kann, machen sich straftbar, und damit setze man gerade jene Menschen einem Risiko aus, welche man eigentlich schützen wolle.

Wie die Verantwortlichen der Organisation klarmachen, habe man sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Man habe diese aber nach einer ausführlichen Risikobeurteilung treffen müssen. Die Sicherheit der Menschen stehe an erster Stelle und diese habe man aufgrund der jüngsten Entwicklungen nicht mehr garantieren können.

Das LGBT Network wurde 2006 gegründet und setzte sich damals unter anderem politisch gegen queerfeindliche Gesetze wie das Anti-Gay-Propagandagesetz ein. Später erhielt die Organisation internationale Bekanntheit, weil sie queere Menschen aus Tschetschenien geschleusst hat, um sie vor der dortigen, brutalen LGBTI+ Verfolgung zu retten.

Für die LGBTI+ Community kommt diese Entscheidung, so nachvollziehbar wie sie ist, zu einer denkbar schlechten Zeit. Alleine zwischen März und Mai diesen Jahres wurden in Russland nach Human Rights Watch neun queere Organisationen verboten. Auch die LGBTI+ Nachrichtenseite Parni+ musste ihren Sitz bereits ins Ausland verlegen, da es in Russland selber nicht mehr möglich war, die Seite weiter zu betreiben.