RUSSLAND: Mitarbeitende des grössten Verlags wurden verhört - wegen Extremismus
Bereits im Mai des letzten Jahres wurden Mitarbeitende des Eksmo Verlags, zu dem auch Popcorn gehört hat, von Ermittlungsbehörden verhaftet und darauf verhört. Dabei wurden sie mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie mit gewissen Büchern, die bei Popcorn erschienen sind, LGBTI+ Propaganda betreiben. Der Druck auf Popcorn war dabei so gross, dass der Verlag im Januar diesen Jahres schliessen musste.
Nun geriet der Mutterverlag Eksmo erneut ins Visier der Behörden und erneut wurden mehrere Mitarbeitende für ein Verhör vorgeladen. Darunter befand sich unter anderem der Generaldirektor Jewgeni Kapijew und der Vertriebsleiter. Es soll diesmal erneut um Ermittlungen im Rahmen eines Strafverfahrens wegen Extremismus betreffend Bücher des ehemaligen Verlags Popcorn gehen.
Zu einer Durchsuchung der Räumlichkeiten soll es nicht gekommen sein, hält der Verlag fest, obwohl regierungsnahe Medien dies behauptet haben. Auch unabhängige Journalisten vor Ort erklärten, dass es in den Räumlichkeiten des Verlags keinerlei Anzeichen für eine Durchsuchung gegeben habe.
Bei Eksmo handelt es sich um den grössten Verlag in Russland. Dazu gehörte auch Popcorn, der in der Vergangenheit schon mehrfach durch die russischen Behörden schikaniert wurde. Popcorn hat verschiedenste Bücher veröffentlicht, welche sich insbesondere an Jugendliche und junge Erwachsene richten und unter anderem auch Themen wie die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität thematisieren.
Russland hat 2023 die internationale LGBT Bewegung als extremistisch eingestuft. Da die "internationale LGBT Bewegung" keine Organisation oder andere Strukturen aufweist, nutzt die Regierung dies um generell gegen queere Menschen und Organisationen vorzugehen. Insbesondere seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine versucht der Kreml damit noch stärker von den eigentlichen Problemen des Landes abzulenken.