SCHWEIZ: Lässt die GLP die LGBTI+ Community in Zürich im Stich?

SCHWEIZ: Lässt die GLP die LGBTI+ Community in Zürich im Stich?
Der Kantonsrat in Zürich debattiert derzeit über ein kantonales Verbot von Konversionsmassnahmen, doch nun steht dieses auf der Kippe. Obwohl das queere Netzwerk der Grünliberalen diese schädlichen Praktiken laut ihrem Positionspapier verunmöglichen wollen, stellt sich die Partei nun offenbar überraschend an die Seite der SVP und der FDP.

Der Bundesrat hat am 2. September in seinem Bericht über ein Verbot von Konversionsmassnahmen ausdrücklich auf die Bestrebungen diesbezüglich in den Kantonen hingewiesen. Während gewisse Kantone ein Verbot dieser schädlichen Praktiken bereits umgesetzt haben, so debattiert derzeit der Kantonsrat in Zürich darüber ob und wie diese Massnahmen verboten werden können.

Wie die NZZ nun berichtet, stellen sich die SVP und die FDP gegen dieses Anliegen und sie fordern in einem Antrag, dass dieses Geschäft im Kantonsrat sistiert werden soll. Zur grossen Überraschung unterstützt zudem auch die GLP diesen Antrag. Als Rechtfertigung verweist die Partei auf eine mögliche nationale Lösung.

Mit der Unterstützung des Sistierungsantrags politisiere die Kantonsratsfraktion der GLP an ihrer Wähler:innen-Basis vorbei. Das Gesetz brauche es jetzt, um Personen vor schädlichen Konversionsmassnahmen zu schützen, erklärt Dominik Steinacher, Co-Präsident der HAZ – Queer Zürich. Eine kleine Gruppe der kantonalen GLP-Führung finde nun: ein Verbot brauche es nicht. Das sei inakzeptabel. Man sei massiv von der GLP enttäuscht, so Steinacher.

Das Abwarten einer Bundesregelung verzögere den dringend benötigten Schutz um mindestens sieben weitere Jahre, zeigt sich auch Elle Bohner von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) überzeugt. Ausserdem schützen kantonale Regelungen Personen umfänglicher und auch ein künftiges nationales Verbot werde damit gestützt.

Unter Konversionsmassnahmen versteht man den Versuch die sexuelle Orientierung, die Geschlechtsidentität oder den Geschlechtsausdruck einer Person zu verändern. Diese Praktiken sind gefährlich, menschenrechtswidrig und werden von den wichtigsten medizinischen Fachverbänden, von den meisten Parteien, den Landeskirchen und vielen weiteren Organisationen klar abgelehnt. So bekräftigt auch Jann Kraus vom Transgender Network Switzerland (TGNS), dass Konversionsmassnahmen tiefgehende Schäden bei den Betroffenen hinterlassen, die sie gesundheitlich sowie im Privat- und Erwerbsleben massiv einschränken und für deren Aufarbeitung sie womöglich ein Leben lang professionelle Hilfe benötigen.

Zusammen mit mehr als 60 weiteren Organisationen haben die queeren Dachverbände die Koalition Stop Konversionsmassnahmen gegründet, mit welcher man ein Verbot dieser Praktiken in der Schweiz forcieren und sich für einen besseren Schutz betroffener Personen einsetzen will.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:

Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch

Über die Webseite stophate.ch kannst Du zudem einfach online und in verschiedenen Sprachen Hate Crimes an die LGBTIQ Helpline, der offiziellen Meldestelle für queerfeindliche Hassverbrechen, melden.

Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer