SRI LANKA will LGBTI+ Tourismus nun doch nicht mehr unterstützen

SRI LANKA will LGBTI+ Tourismus nun doch nicht mehr unterstützen
Es kam äusserst überraschend, als Sri Lankas staatliche Tourismusbehörde offiziell eine Initiative unterstützt hat um das Land als queerfreundliches Reiseziel zu bewerben. Dies insbesondere deshalb, weil gleichgeschlechtliche Handlungen im Inselstaat noch immer verboten sind. Nun zieht sich Sri Lanka aber ebenso überraschend wieder von diesem Engagement zurück.

Geht man nach den internationalen Reisewarnungen, dann wird darauf hingewiesen, dass gleichgeschlechtliche Aktivitäten in Sri Lanka illegal sind, dass jedoch aktuell keine Fälle bekannt sind, bei denen das Gesetz auch tatsächlich angewandt wurde. Gerade wegen diesen Voraussetzungen war es eine grosse Überraschung, dass die nationale Behörde für die Entwicklung des Tourismus (SLTDA) im vergangenen September bekannt gab, eine Initiative von Equal Ground gutzuheissen und offen zu unterstützen.

Equal Ground ist eine LGBTI+ Organisation, welche Tourismusgebiete dabei unterstützt, explizit queere Reisende anzuziehen. Dazu wurden Inklusionsprogramme ausgearbeitet, welche man von Hotels über Reiseveranstaltern bis hin zu Tour Guides anbietet. Dabei sollen Angebote geschaffen werden, welche explizit auf die LGBTI+ Community zugeschnitten sind und welche mit Marketingmassnahmen auch entsprechend beworben werden. Wie Buddhika Hewawasam, der Vorsitzende der SLTDA, damals erklärte, solle diese Initiative helfen, den Tourismusmarkt innerhalb Sri Lankas zu diversifizieren, und das Land als sichere und gastfreundliche Reisedestination zu positionieren.

Doch nun kommt die Kehrtwende: Nachdem lokale Medien über das Vorhaben berichtet haben, regierten verschiedenste religiöse Gruppierungen, darunter hochrangige buddhistische Mönche, sowie Kardinal Malcolm Ranjith, das Oberhaupt der katholischen Kirche im Land, mit Empörung auf dieses Engagement der Tourismusbehörde. Sie übten dabei offenbar so viel Druck aus, dass der Justizminister des Landes einschritt und dieses Engagement unterband. Die Behörde hat darauf das Unterstützungsschreiben an Equal Ground wieder zurückgezogen.

Der Justizminister erklärte in einer Stellungnahme, dass Sri Lanka noch nicht soweit sei. Man befinde sich nun mal in Asien und nicht in Europa. Die Menschen hier würden immer noch ungern über dieses Thema sprechen, es sei eine kulturelle Frage. Auch Eltern würden gleichgeschlechtliche Ehen noch nicht akzeptieren, so der Justizminister weiter. Es kümmere sich niemand um die sexuelle Orientierung oder darum, was jemand im Privatleben mache, so lange diese Handlungen nicht in der Öffentlichkeit passieren.

Bei Equal Ground wiederum zeigt man sich sehr enttäuscht über diese Meldung. So werfen sie auch der Regierung vor ihre Versprechen nicht einzuhalten. Die Regierungspartei habe nämlich im Wahlkampf versprochen, sich für die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Handlungen einzusetzen. Weiter macht die Organisation darauf aufmerksam, dass gerade im Tourismussektor des Landes besonders viele queere Menschen arbeiten.

Auch Unternehmen, welche sich auf Reisen für die LGBTI+ Community spezialisiert haben, zeigen sich enttäuscht und bezeichnen die Entscheidung als kurzsichtig. Dies könne dem weltweiten Ruf Sri Lankas als Reisedestination schaden. Man werde sich aber trotzdem dafür einsetzen, dass queere Menschen auf die Insel reisen um das Land zu entdecken.