SRI LANKA: Fehler im Lehrmittel - Kinder werden auf schwule Chatseite verwiesen
Man befinde sich mitten in einer Bildungsreform, und dies könnte ein Versuch sein um diese zu verzögern, erklärt Bildungsminister Nalaka Kaluwewe. Man vermute deshalb Sabotage. Deshalb hat das zuständige Ministerium nun auch eine Anzeige eingereicht, damit die Ermittlungsbehörden den Fall untersuchen.
Dabei geht es um ein Lehrmittel für den Englischunterricht in der sechsten Klasse für elf- bis zwölfjährige Schüler:innen. Es wurden bereits 400’000 Kopien davon gedruckt um bereit für den Schulbeginn des zweiten Halbjahres zu sein. In eben diesem Lehrmittel wurde nun aber ein Link zur Webseite buddy.net und dem schwulen Online-Chat Bad Boys Club gefunden. Die Kinder werden dabei dazu aufgefordert, diese Webseite zu besuchen um so Brieffreunde zu finden und um damit ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Diese Webseite wirbt dabei mit dem Slogan: Show your kinky side - also: Zeigt eure kinky Seite!
Seit dieser offensichtliche Fehler entdeckt wurde, gehen in Sri Lanka die Wellen hoch, insbesondere auch, da gleichgeschlechtliche Aktivitäten nach wie vor verboten sind. Zwar wird dieses Gesetz kaum angewandt, doch es würden auf dem Papier noch immer bis zu zehn Jahre Haft drohen.
Der Fehler wurde allerdings entdeckt bevor das Lehrmittel in Umlauf kam. Deswegen konnte die entsprechende Stelle noch vor dem Schulbeginn entfernt werden. Wie es weiter heisst, habe man noch weitere Fehler gefunden, welche laut den Autoren offenbar auf die Verwendung von KI zurückzuführen sind. Aus diesem Grund besteht auch die Möglichkeit, dass der angegebene Link zur schwulen Chat-Webseite gar kein Sabotageakt war, sondern durch KI eingesetzt wurde und das Lehrmittel danach nicht richtig geprüft wurde.
Wie die Autoren des Lehrmittels erklären, sei das 165-seitige Dokument von drei unabhängigen Teams geprüft worden, darunter auch von Englischprofessoren. Der falsche Link sei aber niemandem aufgefallen. Doch dieser Fehler hatte bereits Konsequenzen: Manjula Vithanapathirana, die Leiterin des Nationalen Instituts für Bildung, welches für das Lehrmittel verantwortlich ist, trat zumindest für die Zeit der Ermittlungen in den Ausstand. Weiter hat auch die Zensurbehörde angewiesen, dass die Internetanbieter die entsprechende Webseite buddy.net sperren soll.
Homosexualität ist in Sri Lanka noch immer ein grosses Tabu. Bestrebungen, gleichgeschlechtliche Aktivtäten zu legalisieren sind bislang stets gescheitert und insbesondere bei religiösen Gruppierungen auf harten Widerstand gestossen. Dies, obwohl die Regierung signalisiert hat, dass man eine Entkriminalisierung unterstützen würde. Gut möglich, dass in Sri Lanka, wie zuvor bereits in Indien, ebenfalls die Gerichte für eine Entkriminalisierung das Zepter in die Hand nehmen müssten.