UK: Church of England vertagt wichtige Entscheidungen für queere Menschen
Ein Brief vom House of Bishops, adressiert an die gesamte Church of England, brachte die Klärung: Der Prozess von „Living in Love and Faith“ (LLF) wird nach neun Jahren Beratung abgeschlossen, aber ohne zwei gerade für queere Mitglieder der Kirche wichtige Entscheidungen zu treffen, weder über die speziellen Segnungsgottesdienste für queere Paare, noch ob Geistliche standesamtliche Ehen mit gleichgeschlechtlichen Partnern eingehen dürfen.
Für alle neuen Gottesdienste mit den Gebeten der Liebe und des Glaubens (PLF) sei eine formelle Genehmigung nach Kirchenrecht nötig, heisst es im Schreiben des House of Bishops, also auch für die angesprochenen Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare. Aus diesem Grund könne man diese Zeremonien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einführen. Seit dem Februar 2023 können gleichgeschlechtliche Paare aber im Rahmen regulärer Gottesdienste die PLF-Gebete empfangen. Dies wurde damals durch die Generalsynode beschlossen.
Auch betreffend der gleichgeschlechtlichen Ehe für Geistliche konnten sich die Bischöfe nicht zu einer Entscheidung durchringen. Damit Priester und andere Amtsträger der Church of England zu einer standesamtlichen Ehe mit dem gleichen Geschlecht zugelassen werden, bedürfe es ein formelles Gesetzgebungsverfahren. Bevor eine solche Änderung überhaupt in Betracht gezogen werden könne, müsse man weitere rechtliche und theologische Abklärungen machen. Der Prozess wird sich damit weiter verzögern und liegt nun bei der für 2028 geplanten Generalsynode.
In ihrem Schreiben hielten die Bischöfe fest, dass sie den tiefen Schmerz, der dieser Prozess insbesondere bei Mitgliedern der LGBTI+ Community verursacht habe, anerkennen. Sie würden dies Bedauern, aber gleichzeitig warnen sie auch davor, Erwartungen zu wecken, welche gar nicht erfüllt werden können. Sie hoffen jedoch, dass dieser Prozess rückblickend trotzdem noch für mehr Inklusion und ein besseres theologisches Verständnis sorgen werde.
Obwohl der Prozess für „Living in Love and Faith“ (LLF) explizit für Themen wie Ehe, Sexualität, Idenität und Beziehung bereits im Jahr 2017 gestartet wurde, wird dieses Projekt nun im Februar offiziell abgeschlossen, ohne eine Entscheidung bei den kontroversesten Themen getroffen zu haben. Um trotzdem vorwärts zu machen, soll nun einen neue Arbeitsgruppe für Themen wie Beziehungen, Sexualität und Geschlecht gegründet werden, welche nun Vorschläge diesbezüglich ausarbeiten soll.
Für den Erzbischof von York, Stephen Cottrell, ist klar, dass LLF nie ein Wettbewerb mit Gewinnern und Verlierern war, es seien jedoch viele verletzt und verunsichert worden, da sie es genau so empfunden haben. Dies vor allem weil tiefgreifende theologische Überzeugungen auf persönliche Lebenserfahrungen trafen. Dabei anerkennt er auch, dass es grosse Meinungsverschiedenheiten gibt, doch er hoffe, dass man trotzdem wieder zusammenfinden werde.