UK: Erster schwuler Verteidigungsminister wird mit Hassnachrichten eingedeckt
Er sehe in seiner neuen Rolle eine Gelegenheit um Stärke zu beweisen und damit jene Art von Stereotypen in Frage zu stellen, die offenbar in den dunkelsten Ecken des Internets noch immer kursieren, so Wes Streeting. Er habe in den letzten drei Wochen gerade online mehr Hass einstecken müssen, als in seinem ganzen Leben. Es sei eine unglaubliche Flut an Beschimpfungen gewesen, offenbar auch deshalb, weil viele Menschen mit der Vorstellung nicht zurechtkommen, dass ein schwuler Mann die Streitkräfte führe, so Streeting.
Zwar wurde Homosexualität in Grossbritannien im Jahr 1967 entkriminalisiert, doch bei den Streitkräften dauerte es noch bis ins Jahr 2000, bis auch offen queere Menschen beitreten durften. Dieses Stigma herrscht offenbar noch immer in den Köpfen vieler vor.
Im Iain Dale All Talk, einem Podcast im Rahmen des Edinburgh Fringe Festival, sprach Wes Streeting nun offen über seine Erfahrungen. Dass er der erste offen schwule Verteidigungsminister Grossbritanniens sei, wurde von den Medien praktisch vollkommen ignoriert. Er habe damals, am 20. Juli als er sein Amt angetreten ist, gedacht, wunderbar, dass man endlich im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts angekommen sei, und dass dies keine Rolle mehr spielt. Online wurde es dann aber für viele trotzdem zu einem Thema - und wie!
Doch Wes Streeting zeigt sich auch stolz darauf, dass er in seiner Lebenszeit den Wandel miterleben durfte, dass Homosexuelle im Militär zuerst gar nicht dienen konnten, und dass er nun der erste offen schwule Verteidigungsminister sein dürfe. Dafür sei er auch von Mitarbeitenden des Ministeriums geglückwünscht worden, denn dies sei ein Zeichen des Fortschritts.
Wie wichtig die Ernennung von Wes Streeting auch für die LGBTI+ Community ist, zeigt auch die Begegnung mit einem schwulen Mitarbeitenden. So erzählt Streeting, dass dieser ihm gesagt habe, dass er äusserst stolz sei für einen schwulen Verteidigungsminister zu arbeiten, das bedeute vielen aus der Community sehr viel, besonders jenen, welche sich noch an die schlimmen, dunklen Zeiten erinnern. Diese Begegnung habe ihn sehr berührt, so Wes Streeting.