CHINA: Blued war grösser als Grindr, doch plötzlich ist die App verschwunden

CHINA: Blued war grösser als Grindr, doch plötzlich ist die App verschwunden
Zwar ging Blued drei Jahre nach Grindr an den Start, doch schnell eroberte die App die Welt und hatte bald mehr aktive User als Grindr. Seit Ende 2025 ist die App aber aus den App Stores in China verschwunden und die Community wartet noch immer darauf, dass die Dating App wieder zurückkehrt.

Chinas Regierungspartei hat in den vergangenen Jahren einen drastischen Kurswechsel volllzogen was den Umgang mit der LGBTI+ Community betrifft. Als Blued damals 2012 gestartet ist, überholte die Dating App schon bald den damaligen Vorreiter Grindr. Dies mag einerseits daran liegen, dass China mit seiner gewaltigen Bevölkerungszahl natürlich einen klaren Startvorteil bietet, aber auch an den innovativen Features. Schon früh ging Blued über eine normale Dating Plattform hinaus, und bot auch seinen Usern auch Informationen etwa rund um HIV/ Aids an.

Der Erfolg von Blued wurde selbst von der Regierung als Musterbeispiel für Innovation gefeiert, und der darauffolgende Börsenstart spielte dem Unternehmen Millionen in die Taschen. Doch dann begann Premierminister Xi Jinping die Rechte queerer Menschen immer weiter einzuschränken und die Community zu verfolgen: LGBTI+ Organisationen, etwa an Universitäten, wurde verboten und Prides gibt es in China ebenfalls keine mehr. Selbst die Grösste, die Shanghai Pride, konnte dem Druck aus der Politik nicht mehr entgegenhalten und musste sämtliche Aktivitäten einstellen.

Weiter betreibt China auch massive Zensur gegen queere Inhalte. So wurden Autor:innen von Comics oder Geschichten gebüsst oder gar verhaftet. Gegen Ende 2025 verschwanden zudem plötzlich die Dating App Blued und die damit verbundene App Finka, welche sich eher an ein jüngeres Publikum richtet, aus dem App Store und waren für chinesische User nicht mehr erreichbar.

Eine andere Version von Blued ist nun noch in Betrieb, aber mit stark eingeschränktem Angebot. Zudem können nur bereits vorhandene Profile verwendet werden, weshalb der Schwarzmarkt dafür gerade boomt. Wie lange diese Version noch läuft ist ungewiss, denn mit den Behörden in China ist nicht zu spassen und dieser Verstoss könnte schwere Strafen mit sich bringen.

Blued kämpft derzeit darum, auch in China wieder verfügbar zu sein. Doch dies dürfte enorm schwierig werden, ist die Zensur von queeren Inhalten doch bereits sehr weit fortgeschritten, und auch die übrigen Einschränkungen der Meinungsfreiheit sind enorm. "The Great Firewall" nennt sich dieses Projekt der Regierung, welches unliebsame Inhalte innerhalb kürzester Zeit aus dem Internet und aus den chinesischen Social Media-Plattformen filtert. 

Grindr hat dieses Schicksal schon viel früher ereilt, obwohl es chinesische Investoren waren, welche die App einst gekauft haben. Grindr wurde nämlich bereits im Jahr 2022 aus den App Stores im Reich der Mitte verbannt. Die US-Regierung wiederum setzte das Unternehmen damals derart unter Druck, dass es wieder verkauft werden musste und heute an der amerikanischen Börse gehandelt wird. Die Daten in der App seien sicherheitsrelevant, argumentierten die USA damals.