KAMERUN: 68 Verhaftungen bei grossangelegter Aktion gegen LGBTI+

KAMERUN: 68 Verhaftungen bei grossangelegter Aktion gegen LGBTI+
In einer koordinierten Aktion in verschiedenen Stadtteilen der Hauptstadt Douala wurden in einer Nacht 68 Personen wegen Verdacht auf gleichgeschlechtliche Handlungen festgenommen. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft sollten sie schuldig gesprochen werden.

Die Razzien fanden bereits Ende August statt, wurden aber erst jetzt durch Menschenrechts- und LGBTI+ Organisationen bekannt gemacht. Mitten in der Nacht führte die Polizei in den Vierteln Makepe und Bonamoussadi der Hauptstadt Douala Razzien in verschiedenen Bars, aber auch privaten Räumlichkeiten durch. Laut dem zuständigen Polizeichef stehen die Orte im Verdacht, gleichgeschlechtliche Aktivitäten angeboten zu haben.

Während der Razzien wurden insgesamt 68 Personen verhaftet, zudem wurden Sextoys, Gleitmittel und Kondome als Beweismittel sichergestellt. 59 der verhafteten Männer wurden gegen Kaution wieder freigelassen, neun Männer blieben im Zentralgefängnis New Bell in Untersuchungshaft und müssen dort auf ihren Prozess warten.

Der Fall wurde zuerst an das Militärgericht übergeben, da unter anderem auch noch offizielle Militärunterwäsche beschlagnahmt wurde. Die dortigen Richter verwiesen den Fall aber zurück an die Polizei. Da der Jüngste unter den Verhafteten erst 16 ist, müssen sich einige der Männer nicht nur wegen gleichgeschlechtlichen Handlungen vor Gericht verantworten, sondern auch wegen Verführung Minderjähriger. Hinzu kommt möglicherweise eine Anklage wegen "unbefugter Nutzung militärischer Ausrüstung".

Gleichgeschlechtliche Handlungen sind in Kamerun erst seit 1972 strafbar. Dies liegt daran, dass das Land unter französischer Herrschaft stand und nicht unter britischer. Die Briten waren damals bekannt dafür, dass sie ihre Gesetz gegen Homosexualität bereits während der Kolonialzeit in die ganze Welt exportiert haben.

Queeren Menschen drohen in Kamerun bis zu fünf Jahre Haft. Obwohl sich die Tochter des kamerunischen Diktators Paul Biya im Jahr 2024 selber als lesbisch geoutet hat, gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass die Anti-LGBTI+ Gesetze gelockert oder gar aufgehoben werden.