SERBIEN: Am Wochenende fand die Belgrade Pride statt
Unter dem Motto "Es hat Platz für uns alle" liefen am vergangenen Samstag Hunderte durch die Innenstadt von Belgrad um an der Pride für ihre Rechte einzustehen. Dabei führte die Route auch am Sitz der serbischen Regierung, sowie an der Nationalversammlung vorbei. Dazu wurden auch zahlreiche Strassen gesperrt.
Die Pride fand 25 Jahre nach der ersten Belgrade Pride statt. Die Erinnerung an den Anlass damals am 30. Juni 2001 sind nach wie vor präsent und waren für viele in der LGBTI+ Community traumatisierend. Damals liefen nur ein paar dutzend Personen an der Pride mit. Queerfeindliche Organisationen, darunter viele äusserst gewaltbereite Hooligans, riefen aber zu einer Gegendemonstration auf. Der Polizei ist es damals nicht gelungen, diese von der Pride fernzuhalten und so kam es unter den Teilnehmenden der Pride zu mehr als 40 Verletzten. Die Pride wurde daher damals auch "Bloody Pride" genannt.
In den Jahren darauf wurden aus Angst vor weiteren Angriffen keine Prides mehr geplant. Erst im Jahr 2010 wurde ein neuer Anlauf genommen, und es kam erneut zu grossen Gegendemonstrationen. Auch wurden fortan immer wieder Bewilligungen verweigert, da man für die Sicherheit der Teilnehmenden nicht garantieren könne. Seit 2016 findet die Belgrade Pride aber wieder jährlich statt. Dies hat unter anderem auch mit der Europäischen Union zu tun: Serbien möchte gerne der EU beitreten, und muss daher auch die Grundrechte queerer Menschen garantieren.
Rund 6'000 Personen nahmen 2021 an der Belgrade Pride teil und es wurde die bislang grösste Pride des Landes. Es kam nur zu vergleichsweise kleinen Störaktionen. Im darauffolgenden Jahr gab es aber erneut Ärger zwischen den Veranstaltenden und der serbischen Regierung: Die EuroPride war zu Gast in der Stadt und damals hat sich sogar Staatspräsident Aleksander Vučić eingeschalten und der Pride die Bewilligung verweigert. Als Begründung nannte er die Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo. Erneut war es der Druck aus der EU, welcher den Anlass schlussendlich doch noch ermöglichte.