SPORT: Frankreichs höchste Fussball-Liga verbietet Pride-Symbole

SPORT: Frankreichs höchste Fussball-Liga verbietet Pride-Symbole
Seit 2019 macht die oberste Fussball-Liga Frankreichs jeweils rund um den 17. Mai mit eigenen Kampagnen auf LGBTI+ Feindlichkeiten aufmerksam. Doch nun entschied der Verband künftig auf Pride-Symbole zu verzichten. Neu soll sich die Kampagne generell gegen Diskriminierung richten und sich nicht nur auf queere Menschen fokussieren, und dies obwohl LGBTI+ Feindlichkeiten gerade im französischen Fussball weit verbreitet sind.

Die Ligue de Football Professionnel (LFP) ist der Dachverband der Ligue 1 und der Ligue 2 im französischen Fussball. Seit 2019 organisierte der Verband jeweils rund um den IDAHOBIT, dem Internationalen Tag gegen gegen LGBTI+ Feindlichkeiten, am 17. Mai eigene Kampagnen um darauf aufmerksam zu machen.

Gerade im französischen Fussball ist Queerfeindlichkeit verbreitet, und dass solche Aktionen nötig sind, zeigt sich auch daran, dass sich immer wieder Spieler weigern, bei diesen Kampagnen teilzunehmen. Es ist zwar eine klare Minderheit, doch sie erhalten viel Medienaufmerksamkeit. So haben Spieler beispielsweise entsprechende Logos auf ihren Trikots abgeklebt, oder sie weigerten sich deshalb für die Nationalmannschaft zu spielen.

Statt die Kampagnen fortzusetzen hat die LFP nun den gegenteiligen Weg gewählt und erklärt, fortan keine Pride-Fahnen und Symbole mehr zuzulassen. Die Kampagnen sollen stattdessen ausgeweitet werden und nicht mehr nur die Diskriminierung von queeren Menschen im Fokus haben, sondern Diskriminierungen allgemein, wie auch Rassismus, thematisieren. Dies teilte der Verband seinen Partnerorganisationen mit.

Diese Absichten werden nun unter anderem von Ouissem Belgacem massiv kritisiert. Der heute 38-jährige Fussballer absolvierte damals die Jugendakademie von Toulouse, zog sich dann aber vom Profi-Fussball zurück, trotz sehr viel Talent und Zukunftsaussichten. Wie er in seiner später veröffentlichten Autobiografie erklärte, lag der Hauptgrund dafür, dass er das Fussballspielen aufgab, in den LGBTI+ Feindlichkeiten, welche er als Teenager in der Jugendakadmie in Toulouse erlebt habe.

Die Belastung unter diesen Umständen als Muslim mit seiner Sexualität klarzukommen, sei schlicht zu gross gewesen. Er habe sich zudem im Stich gelassen gefühlt, so der heute 38-Jährige, von der Mannschaft, den Trainer und vom Verband.

Die Entscheidung der LFB sei ein totales Fiasko, erklärte Ouissem Belgacem gegenüber La Dépêche du Midi weiter. Die Initiative sei zwar nicht sehr wirksam gewesen, doch es sei die einzige, welche sich gegen LGBTI+ Feindlichkeiten einsetze, und diese werde nun gestrichen ohne einen Ersatz zu präsentieren. Dies sei zudem auch eine denkbar schlechte Botschaft an queere Sportler:innen.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:

Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch

Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer