STUDIE: Queere Menschen ziehen sich mehr zurück und outen sich weniger
Das gegenwärtige politische Klima sorgt dafür, dass sich queere Menschen heute lieber zweimal überlegen, bevor sie sich in gewissen Lebenssituationen für ein Coming Out entscheiden als früher. Dies geht aus der aktuellen, breit angelegten Umfrage der Human Rights Campaign (HRC) hervor, für welche rund 15‘000 Personen, 10‘000 Queers und 5‘000 nicht-LGBTI+, befragt wurden. Dabei ging es in erster Linie darum, das Befinden innerhalb der LGBTI+ Community zu ergründen seit Donald Trump vor einem Jahr das Amt des US-Präsidenten erneut übernommen hat.
Dass sich das politische Klima seither noch einmal drastisch geändert hat, mehr noch als während seiner ersten Amtszeit, zeigt sich deutlich: Alleine im vergangenen Jahr hat Trump 225 Executive Orders erlassen, wovon viele direkte oder indirekte Auswirkungen auf queere Menschen hatten, und dabei insbesondere auf trans Menschen. Dies in Kombination mit der queerfeindlichen Politik seiner republikanischen Partei hatte sofortige Auswirkungen auf queere Menschen. Die Akzeptanz queerer Menschen geht zurück und die Offenheit von LGBTI+ ebenfalls. Hinzukommen wirtschaftliche Veränderungen, welche Queers besonders treffen.
Laut der Umfrage zeigte sich etwa, dass fast vierzig Prozent der Arbeitnehmenden in Firmen arbeiten, welche ihre sogenannten DEI-Programme zurückgezogen haben. Dabei steht DEI für Diversity, Equity and Inclusion, also Diversität, Gleichstellung und Inklusion. Dies hatte sofortige Konsequenzen, denn diese Mittarbeitenden erlebten doppelt so viele Diskriminierungen, Stigmatisierungen und Vorurteile wie jene queeren Angestellten in Unternehmen, welche DEI beibehalten haben.
Dies hatte zur Folge, dass mehr als die Hälfte der Befragten angaben, dass sie sich seit Trumps Amtsantritt weniger sichtbar fühlen. Dazu gab fast ein Drittel zudem an, dass sie das Gefühl haben, dass die Akzeptanz gegenüber queeren Menschen bereits in den vergangenen Monaten seit dem Politikwechsel abgenommen hat. Als Konsequenz erklärten mit rund 48 Prozent beinahe die Hälfte, dass sie sich im vergangenen Jahr in gewissen Lebensbereichen nicht geoutet haben, wo dies früher nie ein Problem gewesen wäre. Am häufigsten wurden dabei Orte wie öffentliche Plätze, etwa auf der Strasse genannt, gefolgt vom Arbeitsplatz und vom Gesundheitswesen.
Grosse Unterschiede gab es zudem bei den finanziellen Auswirkungen und beim Arbeitsmarkt: Demnach gab mehr als ein Drittel an, dass sich ihre Jobsuche aufgrund neuer Richtlinien seit Januar 2025 erschwert hat. Weiter erklärten queere Menschen doppelt so häufig wie nicht LGBTI+ Menschen, dass sich ihre finanzielle Situation innerhalb des letzten Jahres verschlechtert habe.
Für die Human Rights Campaign (HRC) ist klar, schweigen ist keine Lösung und man muss allen LGBTI+ und ihren Verbündeten die entsprechenden Werkzeuge in die Hand geben, damit sie sich aus der Defensive lösen können. Sie müssen sich unmissverständlich für Gleichberechtigung einsetzen, und damit auch anstehende Wahlen gewinnen. Panikmache, etwa auf Kosten von trans Menschen, müsse konsequent zurückgewiesen werden um ein klares Zeichen zu setzen: Gleichberechtigung gewinnt!
Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:
Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch
Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer