UK: Stonewall steckt in finanziellen Schwierigkeiten
Seit Stonewall im Jahr 1989 unter anderem von den Schauspielern Ian McKellen und Michael Cashman mitgegründet wurde, konnte die LGBTI+ Organisation grosse Erfolge feiern und wurde zu einer der wichtigsten Fürsprecherinnen für die Rechte queerer Menschen in Grossbritannien. So konnte Stonewall über die Jahrzehnte die Einführung der Ehe für alle erreichen oder etwa auch die Entschädigung queerer Veteran:innen.
Doch insbesondere in den vergangenen Monaten ist die Organisation in finanzielle Schwierigkeiten geraten, vor allem auch durch den massiven Rückgang bei den Geldern aus dem öffentlichen Sektor und von den Unternehmen. Während die Einnahmen im Jahr 2024 noch 6.9 Millionen Pfund, rund 7.37 Millionen Schweizer Franken, betrugen, so sanken sie im vergangenen Jahr drastisch auf noch 4.7 Millionen Pfund, rund 5 Millionen Franken. Damit rutschte Stonewall in die roten Zahlen, denn die Ausgaben betrugen noch immer etwa 5.6 Millionen Pfund.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den finanziellen Rücklagen wieder, welche in den vergangenen Monaten stark dahingeschmolzen sind. So hatte die Organisation im März 2025, zum Ende des Fiskaljahres 2024/25, gerade noch 91‘811 Pfund auf dem Konto, ein deutlicher Rückgang von den 998‘173 Pfund im Jahr zuvor.
All diese Zahlen wurden Ende Jahr veröffentlicht, betreffen jedoch das Fiskaljahr, welches jeweils im März endet, unterstreicht Stonewall. Man habe aufgrund dieser Zahlen bereits im vergangenen Frühling zahlreiche Massnahmen ergriffen, welche ihre Wirkung schon im ersten Halbjahr in Form eines positiven Ergebnisses zeigten. So sei es unter anderem zu 44 Entlassungen gekommen. Dies habe unter anderem geholfen die Fixkosten zu senken. Man könne nun wieder damit beginnen um weiter Rücklagen aufzubauen.
Dass die Einnahmen der Organisation stark zurückgegangen sind, zeigt eine Aufschlüsselung. So habe man 2025 nur noch 143‘149 Pfund als Spenden von Unternehmen erhalten, und damit deutlich weniger als noch 2024 als man 348‘636 Pfund erhielt. Nicht ganz so stark, aber trotzdem drastisch sanken auch die Einnahmen von staatlichen Quellen, nämlich von 618‘757 auf 454‘645 Pfund.
Dies hat unter anderem damit zu tun, dass zahlreiche Firmen ihre DEI-Programme gestrichen haben. Dabei steht DEI für Diversity, Inclusion und Equity. Dies ist unter anderem eine direkte Folge der Politik von Trump, die auch in der Schweiz spürbar ist. Weiter haben auch die staatlichen Stellen und Behörden ihre Gelder für LGBTI+ Organisationen zusammengestrichen.
Kritiker von Stonewall, wie etwa einige Frauenorganisationen, aber auch transfeindliche Organisationen von Rechtsaussen, sehen in dieser Abnahme bei den Einkünften aber eher einen Beweis dafür, dass sich die Organisation falsch ausgerichtet habe. So hat sich Stonewall gerade in jüngster Zeit verstärkt auf die Rechte von trans Menschen konzentriert, da diese in Grossbritannien seit einem Urteil des Obersten Gerichts stark unter Druck geraten sind. Die Richter entschieden vor einigen Monaten, dass künftig nur noch das biologische Geschlecht von Personen ausschlaggebend ist, auch bei trans Personen.