UKRAINE: Selenski fordert mehr Offenheit gegenüber LGBTI+ Anliegen
Man müsse mit der Bevölkerung offen über alles sprechen, so Wolodimir Selenski. Wir alle stehen an der Seite queerer Menschen, wir sind alle gleichberechtigt und haben alle die gleichen Rechte - auch wenn es noch Vorurteile aus dem 15. Jahrhundert gebe. Alle und auch er seien moderne Menschen, fuhr er im Rahmen einer Kulturveranstaltung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew weiter fort.
Man solle aber nicht nur mit Kindern darüber sprechen, sondern auch mit Erwachsenen, denn die Kinder seien diesbezüglich viel cooler als seine Generation, so Selenski weiter.
Diese Aussagen machte der ukrainische Präsident nachdem er von Oleksandr Demenko gefragt wurde, ob die Ukraine mehr Kulturbeiträge mit queeren Inhalten brauche, um die Toleranz diesbezüglich in der Bevölkerung zu fördern und um queere Menschen und LGBTI+ Themen zu enttabuisieren. Auch von der Organisation LGBT Military for Equal Rights wurde das Thema während dem Anlass angesprochen.
Geht es um die Rechte queerer Menschen in der Ukraine, dann könnten dem Land bald Rückschritte bevorstehen. In den vergangenen Jahren wurde ein Diskriminierungsschutz für LGBTI+ eingeführt und das Oberste Gericht anerkannte gleichgeschlechtliche Paare „faktisch als Familie“ an. Bemühungen, auch von Selenski, für ein Partnerschaftsgesetz oder die Ehe für alle sind aber bislang gescheitert.
Vor kurzem hat Parlamentspräsident Ruslan Stefanchuk ein Entwurf für ein neues Zivilgesetzbuch vorgestellt, der auch das bislang geltende Familiengesetz ersetzen soll. Damit verfolgt er das Ziel, die bislang erreichten Rechte queerer Menschen wieder rückgängig zu machen und auch die Gerichtsurteile wieder aufzuheben. Dies könnte für das Land zum Boomerang werden, sollte tatsächlich ein Beitritt zur Europäischen Union angestrebt werden. Die EU fordert nämlich von seinen Mitgliedern einen Schutz von LGBTI+ ein, sowie eine rechtliche Absicherung ihrer Partnerschaften.
Die Forderung nach einer rechtlichen Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren existiert bereits lange, und wurde durch den Angriffskrieg von Russland noch wichtiger. Derzeit haben gleichgeschlechtliche Paare etwa kein Mitspracherecht wenn ein:e Partner:in im Krieg verletzt wird, oder auch bei einen Todesfall. Dieser Gedanken ist zermürbend, wie viele Queers mitteilen.