UNGARN: Orban ist weg, nun will ein queerer Fernsehsender an den Start
Nachrichten, Unterhaltung, Kultur und Dokumentationen, so soll das Programm einer neuen Fernsehstation aussehen, die voll und ganz auf die LGBTI+ Community zugeschnitten ist. Dabei sollen Menschen im Mittelpunkt stehen, echte Familien und ihre realen Erfahrungen. Rainbow TV wird der Sender heissen und er soll zu einer Stimme für all jene werden, welche unter der Regierung Orban in den Hintergrund gedrängt und zum Schweigen gebracht wurden.
Während 16 Jahren hat Viktor Orban Ungarn radikal umgebaut und dies unter anderem auf Kosten queerer Menschen. Mit populistischen Gesetzen hat er die Sichtbarkeit der LGBTI+ Community praktisch vollkommen ausgelöscht, unter anderem mit dem Anti-LGBTI+ Propagandagesetz oder auch dem Pride-Verbot. Einerseits durch die Abwahl von Viktor Orban vor wenigen Wochen, aber auch durch ein Urteil des EU-Gerichtshof befindet sich die Community aber derzeit wieder im Aufwind. Die Obersten Richter der Europäischen Union bezeichneten das Anti-LGBTI+ Propagandagesetz nämlich als Verstoss gegen die Grundrechte und urteilten, dass das Gesetz aufgehoben werden muss.
Da Orban auch die Medienlandschaft zu seinen Gunsten umgestaltet hat, soll Rainbow TV neben dem inklusiven Programm auch für unabhängigen Journalismus stehen. Man wolle faktenbasierte und ausgewogene Inhalte liefern, fern von Vorurteilen, Stereotypen und politischen Parolen der Vergangenheit. So sollen etwa auch Fehlinformationen entgegen gewirkt werden und man will sich als verlässliche Quelle etablieren, heisst es von den künftigen Betreibern des neuen Senders.
So soll Rainbow TV auch eine Plattform für Filme von queeren Filmschaffenden werden, zudem soll es moderierte Sendungen geben, etwa mit News. Auch Jugendlichen will man die Möglichkeit bieten, dass sie eigene Sendungen kreieren können, um aktuelle Themen aufzuarbeiten. Damit soll der Sender sowohl eine kulturelle, wie auch eine zivilrechtliche Aufgabe innerhalb von Ungarn übernehmen und auch über Gesundheit, Geschichte oder Kunst berichten.
Der Sender soll sowohl via Kabel und Satelliten zu sehen sein, sowie auch online. Damit will man einerseits die Community in Ungarn selber, aber auch in ganz Europa bedienen. Dazu strebt man auch Partnerschaften mit anderen Sendern an. Ein Startdatum gibt es allerdings noch nicht, doch laut den Betreibern habe man bereits erste Pilotinhalte produziert, bis man die offizielle Bewilligung von den Behörden erhält. Rainbow TV wäre damit der erste LGBTI+ Sender mit Sitz in Ungarn.