USA: Chicago ernennt den ersten Direktor für LGBTI+ Angelegenheiten
Antonio King ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um die LGBTI+ Community geht. Seit mittlerweile 21 Jahren arbeitet er im Departement für Gesundheit der Stadt Chicago und dabei hat er sich stets um die Anliegen queerer Menschen gekümmert. Aus diesem Grund überrascht es kaum, dass Chicagos Bürgermeister Brandon Johnson den 63-Jährigen nun zum ersten Direktor für LGBTI+ Angelegenheiten ernennt hat.
Johnson löst mit dieser neuen Führungsposition innerhalb der Stadtverwaltung auch ein Wahlversprechen ein. Wie King erklärt, werde er nun eine politische Agenda für den Bürgermeister entwickeln, welche sich um Themen wie queere Jugendliche und Obdachlosigkeit, LGBTI+ Senior:innen und um Bullying an Schulen kümmert. Dazu werde er sich mit den verschiedensten Aspekten der Community auseinandersetzen, denn diese sei keine homogene Gruppe.
Dabei hält er fest, dass viele in der Community einfach Angst haben. Angst davor ihre sexuelle Orientierung oder ihre Geschlechtsidentität zu offenbaren, etwa wenn sie im Alter, ohne Kinder und ohne Partner:in, in ein Seniorenheim ziehen. Oder auch Angst davor, im Alter nicht genügend finanzielle Mittel zu haben um den Lebensunterhalt zu bestreiten, so King. Dazu will er nun entsprechende Massnahmen ausarbeiten.
Die neugeschaffene Stelle von Antonio King hat weder ein Budget noch hat er Personal unter sich. Vielmehr kann er finanzielle Ressourcen von anderen Departementen und Abteilungen der Stadt nutzen. So würden einige von ihnen über Budgetposten verfügen, welche für die Allgemeinheit gedacht sind und sich an der Gemeinschaft orientieren. Dabei geht es unter anderem um soziale Programme mit bereits bestehenden Angeboten, oder um solche, bei denen man queere Menschen miteinbeziehen kann.
Doch es gibt auch Kritiker, etwa aus der LGBTI+ Community selber. So störte sich etwa der queere Stadtrat Ray Lopez aus dem 15. Bezirk am Zeitpunkt der Ernennung von Antonio King. Es würden Wahlen im kommenden Jahr anstehen. Johnson habe in seiner Amtszeit kaum etwas für queere Menschen gemacht, wolle sich nun aber mit dieser Ernennung so kurz vor den Wahlen die Stimmen der Community sichern.
Das Büro des Bürgermeisters hält dem aber entgegen und erklärt, dass das Budget für diese Stelle erst im letzten Jahr genehmigt wurde, und man darauf 150 Bewerbungen erhalten habe, bevor man sich entschieden habe. Auch Antonio King selber wies die Kritik zurück und erklärte, dass Johnson die Stimmen der Community bereits hinter sich vereint habe. Mit der Ernennung habe er nun ein Wahlversprechen eingelöst, und wäre seine Ernennung letztes Jahr gewesen, dann hätten die Kritiker bestimmt einen anderen Grund für Kritik gefunden.