SCHWEIZ: Der neue, "höchste" Stadtzürcher ist aus der Community

SCHWEIZ: Der neue, "höchste" Stadtzürcher ist aus der Community
Das Stadtparlament von Zürich hat einen neuen Präsidenten gewählt, und damit gibt es auch einen neuen "höchsten" Stadtzürcher: Er heisst Ivo Bieri und er kommt aus unserer Community...

Er ist aus Witikon, er ist seit Juli 2021 im Gemeinderat und am Mittwoch wurde Ivo Bieri von der SP klar zum neuen Präsidenten des Stadtparlaments, und damit zum "höchsten" Stadtzürcher für die Amtszeit 2026/2027 gewählt. Er folgt damit auf Christian Huser von der FDP, der das Amt während einem Jahr inne hatte und jeweils die Ratssitzungen leitete.

Es war ein sehr deutliches Resultat: Ivo Bieri erhielt 104 von 115 Stimmen. Als Vize-Präsident wurde mit 106 Stimmen zudem Christian Traber von der Partei Die Mitte gewählt, und 78 Stimmen erhielt Sebastian Zopfi von der SVP als zweiter Vize-Präsident des Gemeinderats.

Vielfalt gehöre ins Parlament, erklärte Ivo Bieri gegenüber dem Tages-Anzeiger. Ein schwuler Ratspräsident sei denn für ihn auch nichts Aussergewöhnliches, sondern selbstverständlich, sagt er zu seiner Wahl. Entsprechend setzt er sich auch als Gemeinderat und im Rahmen von verschiedenen Organisationen für die Rechte der LGBTI+ Community ein.

Es war auch ein queeres Thema, wodurch er politisch aktiv wurde, nämlich das Partnerschaftsgesetz und die Debatte darum Ende der 1990er und Anfangs der Nullerjahre, wie er gegenüber Tsüri erklärt. Damals seien gerade viele junge Leute dem Thema gegenüber kritisch eingestellt gewesen. Gespräche auf der Strasse und während Standaktionen hätten ihm damals gezeigt, wie wichtig es ist, mit Menschen in den Dialog zu treten und politische Anliegen zu erklären.

Dass er auch einen eher unkonventionellen Stil in der Politik vertritt, zeigte auch seine Antrittsrede im Gemeinderat. So erteilte er den Ratsmitgliedern gleich zu Beginn einen ersten Auftrag: Alle sollen mit drei Leuten aus anderen Fraktionen ein Bier trinken gehen.

Alle würden sich in sogenannten Bubbles bewegen, sozial, beruflich und politisch, das sei menschlich, doch er wünsche sich, dass die Gemeinderät:innen vermehrt aus diesen Bubbles heraustreten und mehr miteinander reden. Ein Parlament funktioniere nämlich nur, wenn man auch die eigenen Überzeugungen hinterfrage, so der 41-Jährige weiter. Starre Blockmeinungen führen dabei nur selten zu guten Lösungen.

Bild: © Gemeinderat Zürich