STUDIE: Coming out und religiöse Eltern

STUDIE: Coming out und religiöse Eltern
Wie reagieren religiöse und/oder konservative Eltern auf das Coming out ihrer Kinder? Wagen deren Kinder überhaupt ein Coming out? Eine neue Studie in Grossbritannien hat genau diesen Zusammenhang untersucht und dabei auch die psychische Gesundheit der LGBTI+ mit einbezogen...

Eines Vorweg: Laut der Studie, welche von der Naz & Matt Foundation in Auftrag gegeben wurde, akzeptiert die überwiegende Mehrheit der Eltern in Grossbritannien ein Coming out ihrer Kinder. Religion und eine konservative Grundhaltung fördern aber LGBTI+ Feindlichkeiten. Rund ein Viertel der Eltern mit konservativem und/oder religiösem Hintergrund reagieren demnach ablehnend und wollen ihre LGBTI+ Kinder nicht anerkennen. Dies sind rund 2.5 Mal so viele, wie wenn man die Reaktionen aller Eltern betrachtet, dort beträgt der Anteil jener mit einer ablehnenden Haltung rund 10 Prozent.

Dabei zeigt sich in der Studie, dass jene LGBTI+, deren Familien religiös oder konservativ sind, rund dreissig Prozent weniger ein Coming out bei ihren Eltern oder ihren Familien wagen als der Durchschnitt der Queers. Dabei erklärten 27 Prozent, dass sie befürchten, dass sie ihre Eltern damit enttäuschen würden, 23 Prozent gaben an, dass sie Wut oder Aggressionen befürchten und 19 Prozent erklärten, dass sie annehmen, dass sie von ihren Eltern verstossen würden.

Dass diese Ängste nicht unbegründet sind, zeigte sich bei jenen LGBTI+ aus religiösem/ konservativem Umfeld, welche den Schritt doch wagten und dann tatsächlich negative Reaktionen erlebten: So gaben 43 Prozent der Befragten an, dass sie Wut erlebten, und 13 Prozent sprachen gar von Misshandlungen. Von jenen, welche negative Reaktionen erlebten, erklärten zudem 70 Prozent, dass sie danach unter Depressionen und Angstzuständen litten, und sogar Selbstmordgedanken hatten.

Die Naz & Matt Foundation, welche diese Untersuchung in Auftrag gab, wurde von Matt Mahmood-Ogston ins Leben gerufen, nachdem sich sein Ehemann Naz das Leben nahm. Seine muslimischen Eltern haben ihn kurz vor der Tat auf seine sexuelle Orientierung angesprochen.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch