SCHWEIZ: Mit Luzern schaut hin gegen Queerfeindlichkeit
Seit das Meldeportal Luzern schaut hin am 26. Januar 2024 aufgeschalten wurde, sind bereits mehr als 270 Taten in Bezug auf Queerfeindlichkeit und Seximus gemeldet worden. Dies entspricht rund 5 Meldungen pro Woche. Opfer oder Zeugen meldeten ihre Erfahrungen und Erlebnisse und halfen so mit, Belästigungen und Übergriffe sichtbar zu machen. Dies ist auch eines der Hauptziele dieser Plattform, um damit auch die Gesellschaft dazu aufzufordern, nicht wegzusehen. Durch zivilcouragiertes Handeln kann mitgeholfen werden, um Betrofffene zu unterstützen und ein klares Zeichen gegen Gewalt, Belästigung und Diskriminierung zu setzen.
Bei der Auswertung nach dem ersten Jahr hat sich gezeigt, dass die meldenden Personen überdurchschnittlich unter 25 Jahre alt sind. Dabei wurden vor allem Belästigungen gemeldet, welche im öffentlichen Raum, also auf Plätzen und Strassen, sowie im Öffentlichen Verkehrsmitteln passierten. Dabei handelte es sich zumeist um Belästigungen mit Worten, um ungewollte Berührungen oder das Opfer fühlte sich durch Anstarren belästigt. Die Stadt Luzern hat nun auch eine neue Kampagne unter dem Titel "Zivilcourage zeigen" lanciert, welche sich insbesonderen an sogenannte Bystanders richtet. Dies sind Personen, welche solche Taten als Zeugen beobachten.
Um Zivilcourage zu zeigen sind in erster Linie drei Punkte wichtig, wenn man Zeuge von Queerfeindlichkeit und Seximus wird: Hinschauen - Einschätzen - Handeln! Diese Punkte sind daher wichtig, damit man sich selber nicht in akute Gefahr bringt und anderen Personen trotzdem helfend und unterstützend zur Seite stehen kann.
So kann man die betroffene Person schon alleine damit unterstützen, wenn man Blickkontakt herstellt und sie anspricht. Es kann direkt auf die Situation bezogen sein, indem man die Person fragt, ob sie Hilfe braucht, oder indem man erklärt, dass das was passiert ist, nicht okay ist. Aber auch eine Ablenkung kann mithelfen die Situation zu entschärfen, wenn man beispielsweise das Opfer nach der Uhrzeit frägt oder nach dem Weg zum Bahnhof oder so.
Wenn Du die belästigende Person ansprichst, dann ist es wichtig, ruhig und sachlich zu bleiben und nicht zu provozieren. Trotzdem ist es auch wichtig, klar Stellung zu beziehen, etwa indem man erklärt, dass man die Situation mitverfolgt habe, und dass dies nicht in Ordnung war. Dabei sollte man dringend räumliche Distanz halten und die Person keinesfalls berühren, da körperliches Eingreifen meist zur Eskalation beträgt.
Weiter ist es auch wichtig Verbündete zu suchen, indem man Passant:innen direkt anspricht, welche die Situation ebenfalls gesehen haben. Dies geschieht am besten, wenn man die Person direkt involviert, etwa mit „Sie mit der roten Jacke, können Sie uns bitte helfen“. Wenn es im Nachtleben passiert, ist es auch von Vorteil, allenfalls das Bar- oder Clubpersonal oder Securities zu informieren und bei ihnen Hilfe zu holen. Ist dies keine Option und besteht die Möglichkeit, dass die Situation weiter eskaliert, dann am besten direkt die Polizei über die Nummer 117 rufen.
Im Nachhinein ist es aber auch wichtig, die Taten zu melden, damit sie erfasst werden und damit beispielsweise Brennpunkte festgestellt werden können, oder um damit mittels der so erfassten Statistiken auch neue Massnahmen, etwa auf politischem Weg, umzusetzen. Nur mit entsprechenden Zahlen ist es auch möglich um Queefeindlichkeiten und Seximus sichtbar zu machen. Dazu ist auf nationaler Ebene die Schweizer LGBT+ Helpline wichtig, hinzu kommen Meldetools in verschiedenen Schweizer Städten wie eben Luzern schaut hin, aber auch Zürich schaut hin und Bern schaut hin.
Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:
Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch
Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer