TSCHETSCHENIEN: Mann gelang Flucht nach monatelanger Folter

TSCHETSCHENIEN: Mann gelang Flucht nach monatelanger Folter
Nach monatelanger Folter durch die Polizei und durch Familienangehörige aus dem Umkreis des tschetschenischen Anführers Kadyrow ist einem schwulen Tschetschenen nun die Flucht aus Russland gelungen, wie eine LGBTI+ Organisation, welche die Flucht von queeren Menschen unterstützt, nun berichtet. Er sei in Sicherheit und lebe nun in Europa. Hier erfährst Du mehr über die Geschichte von Rizvan Dadayev...

Gnadenlos geht das Regime in der russischen Teilrepublik gegen LGBTI+ und vermeintlich queere Menschen vor. Es kommt zu willkürlichen Verhaftungen, zu Folter und gar vor Morden schrecken die Verantwortlichen nicht zurück. Die LGBTI+ Organisation SK SOS, welche unter widrigsten Umständen vor Ort arbeitet und deren Mitarbeiter sich stets selber in grösste Gefahr bringen, hat es sich zur Aufgabe gemacht, queeren Menschen zur Flucht aus Tschetschenien und dann auch zur Flucht aus Russland zu verhelfen. Dabei werden die Fälle und die Erlebnisse der Opfer genauestens dokumentiert.

Wie die Organisation nun mitteilte, konnte ein weiterer Erfolg verbucht werden, denn Rizvan Dadayev konnte nicht nur aus Tschetschenien, sondern auch aus Russland fliehen und in Sicherheit gebracht werden. Da der Einfluss der Tschetschenen bis in weite Teile Europas reicht, hat SK SOS aber nicht verraten, wo sich Dadayev aktuell befindet. Sein Fall wird derzeit ebenfalls präzise dokumentiert um Belege für die Gräueltaten zu haben, welche unter Anführer Ramsan Kadyrow in Tschetschenien an queeren Menschen verübt werden.

Wie SK SOS gegenüber der Moscow Times, einer unabhängigen Plattform für News aus Russland, berichtet, wurde im Sommer 2022 ein Video von Rizvan Dadayev in den Sozialen Medien verbreitet, in welchem er aufgefordert wurde, zuzugeben, dass er schwul sei. Darauf wurde er verhaftet und verschleppt, ohne dass sein Aufenthaltsort bekanntgegeben wurde. Wie die Organisation erst viel später erfahren hat, wurde Dadayev damals von Ende Juli bis Mitte November 2022 im Keller einer Polizeistation der tschetschenischen Hauptstadt Grosny festgehalten.

Einziger Grund für die Festnahme war seine sexuelle Orientierung. Während diesen Monaten wurde er in einer Zelle auf brutalste Weise gefoltert, geschlagen und misshandelt. So sei er beispielsweise vom lokalen Polizeichef so lange getreten worden, bis er sein Bewusstsein verloren habe. Einen der Beamten, der ebenfalls für Misshandlungen verantwortlich war, konnte Dadayev zudem als Neffe von Kadyrows Frau Deni Aydamirow identifizieren. Aydamirow ist mittlerweile Innenministerin der Teilrepublik.

Erst im November 2022 wurde Rizvan Dadayev schliesslich freigelassen, doch die genauen Umstände bleiben noch unklar. Während die Familie von Dadayev erklärte, dass es Kadyrow gewesen sei, der die Freilassung anordnete, so erklärte Dadayev selber, dass ihm die Polizei gesagt habe, dass man keinen erneuten internationalen Aufschrei durch LGBTI+ Aktivist:innen riskieren wolle. Aufgrund solcher Menschenrechtsverletzungen wurden nämlich Ramsan Kadyrow, dessen Familie und auch weitere hohe Beamte bereits mit verschiedensten Sanktionen belegt, unter anderem von den USA und von der EU.

Im Januar 2023 kontaktierte Rizvan Dadayev schliesslich via einem Freund in Russland die Organisation SK SOS. Da ihm auch in Russland die erneute Verhaftung drohte, wollte er das Land verlassen. Wie die LGBTI+ Organisation nun bestätigt, sei Dadayev mittlerweile in Sicherheit. Er lebe irgendwo in Europa.

SK SOS konnte bereits 759 Personen Unterstützung bieten. 373 Personen konnte dabei geholfen werden, die Region des nördlichen Kaukasus zu verlassen und 317 Personen erhielten im Ausland Asyl.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:

Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch

Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer