HINTERGRUND: Was uns 2026 (unter anderem) noch bevorsteht
Einige Ereignisse werden weltweite Auswirkungen haben, andere wiederum sind zwar nur von nationalem Interesse in den jeweiligen Ländern, haben aber zumindest einen symbolischen Charakter weit darüber hinaus und könnten sich so auf andere Staaten auswirken.
In Europa könnte Polen gleichgeschlechtlichen Paaren endlich eine Absicherung ihrer Beziehungen ermöglichen. Ein Entwurf wurde im Dezember eingereicht, doch der sieht weder ein Partnerschaftsgesetz noch die Ehe für alle vor, sondern eine Art Vertrag für Lebensgemeinschaften. Es wäre das erste Mal, dass Polen damit queere Paare als Familien anerkennt. Ob damit auch das letztjährige Urteil des Obersten Gerichtshof der Europäischen Union eingehalten wird, muss sich weisen. Dieses besagt, dass Polen die Ehe von queeren Paaren, welche in anderen EU-Staaten geschlossen wurden, ebenfalls anerkennen muss.
Zwei weitere, wichtige Entscheidungen werden zudem vom selben Gericht in diesem Jahr erwartet: Zum einen geht es um eine trans Frau aus Bulgarien, welche derzeit in Italien lebt. Sie hat geklagt, damit ihr angepasstes Geschlecht auch in ihren bulgarischen Dokumenten aufgeführt wird. Zudem sollen die Obersten Richter der EU auch endlich die extrem LGBTI+ feindlichen Gesetze in Ungarn beurteilen, welche unter anderem dem russischen Anti-LGBTI+ Propagandagesetz nahestehen.
In Nordamerika liegt der Fokus auch in diesem Jahr wieder in den USA: Das Medienereignis 2026 dürften sicherlich einmal mehr die Midterms sein, jene Wahlen bei welchen im November 2026 alle 435 Sitze des US-Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat neu gewählt werden. Während die Republikaner derzeit in beiden Kammern die Mehrheit besitzen und zudem mit Donald Trump den Präsidenten stellen, könnte sich dies nach den Wahlen zumindest im Kongress ändern, jedenfalls deuten zumindest die derzeitigen Umfragen und Prognosen darauf hin. Damit würde es für Trump schwieriger zu regieren, er müsste vermehrt Kompromisse eingehen, sofern er nicht wie bis anhin vieles mittels Executive Orders durchdrückt.
Weiter wird sich das US-Supreme Court mit einer ganzen Reihe an queeren Anliegen beschäftigen, welche grosse Auswirkungen auf die Community haben könnten. Dabei geht es etwa um ein Gesetz aus Idaho, welches trans Mädchen und Frauen im Sport von Frauenteams ausschliesst. Dabei stellt sich die Frage, ob dies gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstösst. Weiter müssen die Obersten Richter:innen auch darüber urteilen, ob ein Verbot von Konversionsmassnahmen die Meinungsfreiheit einschränkt und daher nicht gültig ist. Dieses Urteil würde dann die Verbote dieser LGBTI+ feindlichen Praktiken gleich in zahlreichen US-Bundesstaaten kippen.
Ebenfalls haben die Republikaner in Texas und auch in Tennessee weitere Angriffe auf die 2015 im ganzen Land eingeführte Ehe für alle lanciert. Dabei wollen sie unter anderem erreichen, dass die Religionsfreiheit höher gewichtet wird als das Recht auf Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.
In Mexiko wiederum sollen trans Menschen besser vor Gewalt geschützt werden. Die Weichen dazu wurden bereits 2025 gestellt. Gleich mehrere Bundesstaaten haben dazu für dieses Jahr Reformen ihrer Strafgesetzbücher vorgesehen, mit welchen sie Morde an trans Frauen, sogenannte Transfemizid, explizit erwähnen möchten.
In Südamerika könnte Kolumbien die erste queere Staatspräsidentin erhalten: Claudia López war bereits die erste Bürgermeisterin der Hauptstadt Bogotá, welche der LGBTI+ Community angehörte, und nun strebt sie bei den Wahlen in diesem Jahr nach höherem. Ebenfalls in diesem Jahr finden in Peru Wahlen statt. Rafael López Aliaga ist dabei ein aussichtsreicher Kandidat, doch er stellt sich ebenso gegen die Ehe für alle, wie auch gegen Abtreibungen.
In Chile wiederum dürfte die Regierung demnächst ein Gesetz verabschieden, welches den Schutz von queeren Menschen stärkt. So würden damit Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten verpflichtet, wirksame Massnahmen zu ergreifen, um Mobbing zu bekämpfen. Damit sind auch Merkmale wie die sexuelle Orientierung, die Geschlechtsidentität und der Geschlechtsausdruck, sowie die Geschlechtsmerkmale darin miteingeschlossen.
Auch in Afrika stehen grosse Entscheidungen an. So möchte sich ein queeres Paar in Botswana das Recht auf die Ehe vor Gericht erstreiten. Das Land hat erst vor wenigen Jahren überhaupt gleichgeschlechtliche Aktivitäten legalisiert. In Simbabwe wollen intersexuelle Menschen erstmals anerkannt werden. Sieben Personen haben dazu eine Klage gegen die Regierung eingereicht, und nun soll eine Gesetzesreform das Anliegen aufnehmen.
In Ghana geht zudem die Debatte um ein extrem LGBTI+ feindliches Familiengesetz weiter, welches die sogenannt traditionellen Werte schützen soll. Sollte das Parlament den Entwurf annehmen, dann hat Staatspräsident John Dramani Mahama bereits vorgängig angekündigt, dass er das Gesetz mit seiner Unterschrift in Kraft treten lassen werde. Dass Gesetz gilt als eines der Feindlichsten und Schlimmsten der Welt.
In Asien dürfte sich die Lage für queere Menschen in Indonesien weiter zuspitzen: So ist ein Gesetz geplant, welches queere Inhalte aus den Medien verbannen würde, ob im Internet oder im Fernsehen oder in den Sozialen Medien. Diese Zensurmassnahme wäre ein weiterer drastischer Einschnitt in die Grundrechte der LGBTI+ Community. Seit Januar ist zudem das berüchtigte Gesetz in Kraft, welches ausserehelichen Sex verbietet. Damit werden gleichgeschlechtliche Aktivitäten quasi durch einen Umweg verboten, da Indonsien die Ehe queerer Paare weder akzeptiert noch zulässt.
In Japan könnte sich das Oberste Gericht zudem endlich mit der Ehe für alle beschäftigen, nachdem bereits sechs Obergericht in verschiedenen Städten entsprechende Urteile gefällt haben. Dabei erklärten fünf Gerichte, dass es gegen die Verfassung verstosse, wenn man queeren Paare die Ehe vorenthalte. Ein Gericht wiederum war der Meinung, dass das derzeitige Verbot legal und damit verfassungskonform ist.
Auch in Ozeanien beschäftigen sich Justiz und Politik mit queeren Anliegen: So wird in Neuseeland in diesem Jahr ein Gericht darüber befinden, ob ein Verbot von Pubertätsblockern für Minderjährige rechtens ist. Im australischen Bundesstaat Victoria könnten die Gesetzgeber zudem im kommenden Monat ein Gesetz verabschieden, welches Operationen an inter Kindern verbietet, bis diese selber darüber entscheiden können. Das selbe gilt auch für Operationen an Kindern, welche nicht zwingend sind und daher aufgeschoben werden können, bis Kinder ihre eigene Entscheidung fällen können.