HINTERGRUND: Vor 25 Jahren führten die Niederlande als erstes Land die Ehe für alle ein
Es war in Amsterdam, als sich vier gleichgeschlechtliche Paare um Mitternacht das Ja-Wort gaben und damit endlich der Gleichstellung einen grossen Schritt näher kamen. Dies war am 1. April 2001 und galt damals für die Niederlande, nicht aber für die Überseegebiete wie Aruba und Curaçao. Mittlerweile sind genau 25 Jahre vergangen und 38 weitere Länder haben ebenfalls die Ehe für alle eingeführt.
Die Öffnung der Ehe war jedoch nicht nur ein historischer Moment für die LGBTI+ Community und hatte in Bezug auf die grundlegenden Menschenrechte eine enorme Bedeutung, sondern auch für die Gesellschaft, die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt, den Tourismus und die Kultur brachte dieser Schritt grosse Veränderungen mit sich. Gesellschaftlich gesehen trug die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare viel zur Sichtbarkeit und zur Akzeptanz queerer Menschen bei. Mit der Ehe wurden sie damals in einem wesentlichen Punkt unserer Gesellschaft endlich mehr oder weniger gleichgestellt.
Viele Länder nutzen die Ehe für alle heute um ein positives Zeichen der Gleichstellung und der Gleichbehandlung in die Welt zu schicken und sich über die damit verbundenen Werte zu definieren. Und dies auch politisch: Länder betonen diese Werte um Allianzen mit ähnlich denkenden und ähnlich agierenden Ländern zu schmieden, ein Beispiel dafür ist etwa die Europäische Union oder etwa auch die enge Zusammenarbeit der skandinavischen Länder. Dies wiederum vereinfacht es auch den Menschen in andere Länder umzuziehen oder zu arbeiten, da die gesetzlichen Rahmenbedingungen vergleichbar sind.
In der Wirtschaft wiederum entstanden neue Möglichkeiten und queere Paare rückten in den Fokus: Viele Firmen setzten sich - zumindest vor Donald Trump - für die LGBTI+ Community ein, und Inklusion sowie Diversität erlebten einen Schub. Hochzeiten für gleichgeschlechtliche Paare sind mittlerweile ein Milliardenbusiness. Dabei wird Inklusion und Diversity auch von Investoren gerne gesehen, da diese Firmen laut den Statistiken nachweislich auch wirtschaftlich erfolgreicher sind.
Doch auch innerhalb von Firmen hatte die Ehe für alle Einfluss: Die Personalabteilungen der Firmen nahmen Anpassungen vor und begannen Diversität und Inklusion in ihre Leitbilder und internen Richtlinien aufzunehmen, zudem wurden diese Themen zunehmend auch in der Firmenkultur integriert. Sich als offene Arbeitgeber:innen zu zeigen, wird nicht zuletzt auch als grosser Vorteil bei der Suche nach neuen, qualifizierten Mitarbeitenden gesehen.
Städte und Länder wiederum begannen die LGBTI+ Community touristisch zu umgarnen. Die Öffnung der Ehe wurde dabei vielerorts als Botschaft genutzt um sich via ihrer Tourismusbüros als queerfreundliche Destinationen zu präsentieren - natürlich nicht zuletzt auch für Flitterwochen. Auch Hotels, Reiseanbieter, Fluggesellschaften, Clubs, Bars und Restaurants nutzten diesen Effekt aus um queere Menschen direkt anzusprechen.
Seit dem 1. April 2001 hat sich weltweit vieles verändert und die Niederlande sind längst nicht mehr das einzige Land mit Marriage Equality. Rund ein Fünftel, oder rund 1.5 Milliarden Menschen, leben derzeit in einem Land, welches die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare anerkennt. Irland war dabei das erste Land der Welt, welches die Ehe nach einer Volksabstimmung geöffnet hat, so wie im Jahr 2021 auch in der Schweiz.
Dies sind die Länder, welche mittlerweile die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet haben:
2001: Niederlande
2003: Belgien
2005: Kanada, Spanien
2006: Südafrika
2009: Norwegen, Schweden
2010: Argentinien, Island, Portugal
2012: Dänemark
2013: Brasilien, Frankreich, Neuseeland, Uruguay
2014: Grossbritannien (Nordirland: 2020)
2015: Irland, Luxembourg, USA
2016: Kolumbien
2017: Deutschland, Finnland, Malta
2018: Australien
2019: Ecuador, Österreich, Taiwan
2020: Costa Rica
2022: Chile, Kuba, Mexiko, Schweiz, Slowenien
2023: Andorra
2024: Estland, Griechenland, Nepal
2025: Liechtenstein, Thailand
Die Liste dürfte schon bald verlängert werden, denn es gibt noch weitere Länder, welche in den Startlöchern sind um die Ehe zu öffnen. So wird das Oberste Gericht in Japan voraussichtlich noch in diesem Jahr über die Öffnung entscheiden und auch in Vietnam, sowie in weiteren Ländern in Südamerika nimmt der gesellschaftliche Druck zu um die Ehe für alle einzuführen.
Die Niederlande haben zwar als erstes Land die Ehe für alle eingeführt, aber dort wurde nicht die allererste Ehe eines gleichgeschlechtlichen Paares anerkannt. Dies war bereits im Jahr 1971 im US-Bundesstaat Minnesota. Richard John “Jack” Baker und Michael McConnell wollten heiraten und stellten in zwei Standesämtern einen Antrag. In einem wurde er abgelehnt, im anderen fiel es den Beamten nicht auf, dass es sich um zwei Männer handelte. Darauf konnten die Beiden heiraten. Der "Fehler" fiel dann beim Bundesstaat aber auf, doch der zuständige Staatsanwalt erklärte der Behörde schlicht, dass die Ehe einfach nicht erfasst werden soll, und somit wurde die Ehe formell gar nie annuliert. Im Jahr 2019 wurde schliesslich per Gericht bestimmt, dass die Ehe der beiden Männer tatsächlich die erste gleichgeschlechtliche Ehe überhaupt war.
In Bezug auf die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren übernahm aber Dänemark die Vorreiterrolle und ermöglichte dies queeren Paaren mittels Eingetragenen Partnerschaften bereits im Jahr 1989. Dies führten die Niederlande 1998 ein.